Minimalinvasive Hüftendprothetik

Die minimalinvasive Hüftendoprothetik ist mit dem Ziel in die orthopädische Chirurgie eingeführt worden das Operationstrauma zu minimieren, um damit Funktion und Mobilisation zu verbessern sowie Schmerzen, Blutverluste, Liegedauer und Rehabilitationszeit zu reduzieren. Die operative Umsetzung erfolgt durch eine  Schnittlängenreduktion und durch ein Vermeiden von Hineinschneiden und Ablösen von Muskulatur und Sehnen. Die Schnittlängenreduktion hat dabei mehr einen kosmetischen Vorteil, wohingegen die operative Schonung von Muskulatur und Sehnen den wesentlichen Effekt der minimalinvasiven Technik darstellt. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) konnten die muskelschonenden Auswirkungen eines minimalinvasiven Zugangs nachgewiesen werden. Während Patienten mit minimalinvasiver Prothesenimplantation kaum postoperative Veränderungen der Hüftmuskulatur aufweisen, zeigen Patienten mit einem Standard- (nicht minimalinvasiven) Zugang) viel häufiger eine deutliche Vernarbung (fettige Atrophie) der Hüftmuskulatur.

In großen Metaanalysen der Literatur der letzten Jahre konnte heraus gearbeitet werden, dass ein minimalinvasiver Zugang nachweislich zu einer schnelleren Mobilisation, zu kürzeren Krankenhausverweildauern und zu einem etwas geringerem intraoperativen Blutverlust führt. Nach 3-12 Monaten lassen sich allerdings keine Unterschiede in Bezug auf Gangbild, Funktion und Schmerzen mehr finden. Dies ist vor allem dadurch begründet, dass die Hüftgelenksmuskulatur in der Lage ist untereinander kompensatorisch zu interagieren, d.h., einzelne Hüftmuskeln können die Funktion angrenzender Muskelabschnitte übernehmen.

Dennoch ist der maximale Erhalt der Hüftmuskulatur oberstes Ziel jeder Hüftprothesenimplantation.  Nicht nur aufgrund von schnellerer Mobilisation und Rehabilitation nach der Erstimplantation, sondern auch im Hinblick auf möglicherweise notwendige Wechseloperationen. Denn es gilt: je intakter eine Muskulatur vor einer Wechseloperation ist, desto schneller und besser ist auch die anschließende Mobilisation und Funktion. 

 

Literaturquellen: 

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